Henry forever, 1900/2020

Ende des 19. Jahrhundert gilt Henry George als der erste Bodenreformer in den USA, beinahe wäre er sogar Bürgermeister von New York geworden, wenn die Einflußreichen am Big Apple nicht gegengewirkt hätten. Er hat das private Bodeneigentum scharf kritisiert ohne Sozialist gewesen zu sein – so gesehen war er sogar ein Gegenspieler von Karl Marx. George hat die Folgen der Ungleichverteilung von Boden in seinem Buch „Progress and Poverty“ 1879 sehr zeitgemäß analysiert und erfand die Idee einer „Single Tax“, einer Steuer nur auf den Boden, die alle anderen Steuern ersetzt. Er hatte damals viele Anhänger unter Künstlern und Intellektuellen – auch die ursprüngliche Erfinderin des Monopoly Spiels oder die Gründer der Künstlerkolonie Arden gehörten dazu. Heute wird Henry George von bodenreformerische Kreisen wieder in die Diskussion gebracht. Die abgebildete Installation mit Billboard muss um 1900 von einem seiner Anhänger durchgeführt worden sein und kursierte damals als Postkarte. Die urbane Situation samt Verwertungslogik ist heute, 120 Jahre später, in den Städten fast unverändert – Henry forever?

Ausstellungsbeteiligung zusammen mit Les Schliesser
in: “Uferhallen Manifest”, eine Ausstellung auf dem Gelände der Uferhallen Berlin/Wedding, Uferstraße 8, 13357 Berlin
kuratiert von Isabelle Meiffert & Sarah Theilacker, 10. bis 25. Okt. 2020